Welche Religion „gehört“ zu Deutschland? Untiefen und Hinterhalte im politischen Sprachspiel

(Florian Kraemer)

Religionen sind keine Bäume oder Häuser, die irgendwo herumstehen und abgerissen werden können. Religionen leben allein in den Köpfen – meinetwegen auch den Herzen – der Gläubigen. Sie gehören zur Welt der Ideen. Ideen wird man nur los, wenn man die Köpfe loswird, in denen sie stecken. Weshalb der Kampf gegen unerwünschte Ideen in der Geschichte auch meistens ziemlich grausig ablief. Wenn es Religion aber NUR in den einzelnen Gläubigen gibt, dann folgt daraus ganz logisch, dass die Aussage “der Islam gehört nicht zu Deutschland” zwingend die Aussage “die Muslime gehören nicht zu Deutschland” impliziert. Da ist nichts zu rütteln und schönzureden.

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Mit „gefährlichen Ideen“ auf der Anklagebank – Zur Diskussion um Manuel Schmids idea Interview zum „Open Theism“

(Christoph Schmieding)

Vor kurzem gab Manuel Schmid, ICF Pastor und Dozent am Theologisches Seminar St. Chrischona in Basel, der idea ein spannendes Interview zu den theologischen Ansätzen des „Open Theism“. Ein spannendes Thema möge man meinen und absolut der Auseinandersetzung wert! Denkt man. Vermutlich hat ein Manuel Schmid selber nicht im Ansatz zu vermuten gewagt, welchen Sturm dieses kurze Interview in eher konservativen, evangelikalen Gefilden letztlich lostreten würde.

Der reiche Jüngling und das Kind im Teich – Exkursionen durchs Nadelöhr

(Florian Kraemer)

Das Matthäusevangelium erzählt die Geschichte eines reichen, jungen Mannes, der Jesus fragt: “Was muss ich tun, um gerettet zu werden?” Die Antwort: “Verkaufe alles, was Du hast und gib es den Armen und folge mir nach.” Eine offensichtlich niederschmetternde Antwort: “Er ging traurig davon, denn er hatte viele Güter.” (Mt. 19, 16-26)
Der Reichtum ist sein Stolperstein. Warum eigentlich?

Warum Konfrontation unter Christen wichtig ist

(Christoph Schmieding)

Ich hatte im Rahmen einer Diskussion um den Hossatalk mit Johannes Hartl viel Kritik einstecken müssen, ob meiner doch sehr antagonistischen Position zu Hartl und dem Talk mit ihm. Sicherlich auch zu recht, denn ich habe mich ziemlich aus dem Fenster gelehnt. Das „Fuck You“ von Gofi und Jay hab ich wohl vernommen und muss diese Kritik, als jemand der sich eben aus dem Fenster lehnt, natürlich auch einstecken können. Ja, ich reiße hier bewusst die Gräben auf, ja ich will hier auch nicht zu viel „Friede, Freude, Eierkuchen“ aber das aus sehr bewussten Grund und zwar, weil dieses „wir schauen nur aufs Positive“ oder „wir schauen auf das was uns eint“ – dieses Schönreden letztlich, dieses Ablenken von den eigentlichen Frage, die typische Rhetorik ist, mit denen in dieser Szene gearbeitet wird. Das ist die typische Sprachregelung, mit der da die übelsten Ausreißer, die haarsträubendsten Dinge kritiklos stehen gelassen oder gar unter den Teppich gekehrt werden. Ich persönlich bin dem einfach müde.

Warum wir nicht den alten Wein in neuen Schläuchen, sondern den neuen Wein in alten Schläuchen wollen – Was man vom Hossatalk mit Johannes Hartl lernen kann

(Christoph Schmieding)

Was uns die Neo Kons verkaufen wollen ist der alte Wein, den wir schlucken sollen, nur in neuen, schicken Schläuchen getarnt und mit ganz viel Candy versüßt. Dabei vergessen sie, dass auch alter Wein nicht per se gut ist, sondern dass er irgendwann kippt, das er verfällt und ungenießbar werden kann. Nein, was wir brauchen ist der neue, frische Wein. Der Wein aus guten jungen Jahrgängen, mit dem wir die alten Schläuche neu füllen und damit wieder beleben. Ja, wir brauchen Spiritualität, die prickelnde Frische eines guten Rose, eines Glaubens der lebt und belebt. Und ja, wir brauchen Mystik – wir brauchen einen Gott den man auch Anfassen, den man nicht nur Denken kann. Und ja, wir brauchen auch das Potential von „Offenbarungen“, die Erfahrung, dass sich uns etwas eröffnet, etwas offenbar wird. Aber nicht um dies in die Kongruenz einer Tradition zu stellen, eines Re-Entries in ein System von gestern, sondern als Quelle gegenseitiger Inspiration und Erbauung. Wir brauchen einen offenen Glauben, der radikal denken und real fühlen kann. Der seine Ergebnisse aber nicht in Dogmatik hüllt und zu Wissensdiskursen aufbläst, sondern der von der Vielfalt, der Multikulturalität lebt.

Individualisierung und Glaube: Über den Generationenkonflikt in unseren freikirchlichen Gemeinden

(Christoph Schmieding)

Wenn Kirche mit ihrem Pochen auf Bekenntnisbekundungen und ihren Egozentrik Vorwürfen jungen Menschen Glauben so dermaßen verdichtet und verengt, ist vorhersehbar, dass ein Großteil der jungen Generationen Kirche und institutionalisiertem Glauben komplett den Rücken zuwenden wird. Einfach, weil der Spagat, der dort von ihnen gefordert wird, sie innerlich zerreißen würde. Kirche muss ihren Weg finden Pluralität zuzulassen, muss es aushalten können, wenn Menschen tradierte Werte und Vorstellungen hinterfragen, um für sich selbst Überzeugungen zu finden, die sie wirklich integrieren, die sie tragen und verantworten können.

Was ist Anbetung heute? – Eine Reise nach Phantasien

(Christoph Schmieding)

Ja, es geht nicht mehr darum Gott ein Rauchopfer zu bringen. Ja, es geht nicht mehr darum einem Gott zu huldigen einfach seiner Heiligkeit wegen. Es geht vielmehr darum in Beziehung zu treten. „It’s all about connection“ sagt wiederum Amanda Cook sehr häufig, ebenfalls prominente Worshipleiterin bei Bethel Music. Es geht darum Begegnung zu suchen, um in dieser Begegnung echt werden zu können, die Blätter abzulegen mit welchen wir unsere Scham bedecken. Es geht um einen Schutzraum, in welchem wir eine geistliche Freikörperkultur leben können, in welchem wir uns nicht voreinander verstecken brauchen, in welchem jeder so sein kann wie er ist, wie er wirklich empfindet, mit seinem Schmerz, seinen Minderwertigkeitsgefühlen und seinen Verletzungen. Wo wir uns zum Affen machen können, wo wir sagen: „Fuck you all – Jesus loves me“ Irgendwie sehr befreiend oder?

Ist Christsein unpolitisch? – Eine Kritik an der Idee des Unpolitischen

(Christoph Schmieding)

Zur Wahl zu gehen, die verschiedenen Fraktionen eines Landestages oder Bundestages direkt wählen zu können, dies ist nur die Oberfläche von dem was wir Demokratie nennen. Die Spitze des Eisberges sozusagen, das was für uns augenscheinlich ist. Es ist aber nicht das Ganze. Demokratie ist viel mehr. Demokratie ist der Bau unter der Wasseroberfläche, der Grund auf dem wir als Gesellschaft stehen, die Basis dafür, dass wir freie Wahlen überhaupt durchführen wollen und können. Deshalb erschöpft sich Partizipation auch nicht darin, lediglich zur Wahl zu gehen, sondern geht viel tiefer, ist viel alltäglicher. Wir sind viel politischer als wir denken.

Wenn man den Schuss echt nicht mehr hört – Eine Brandrede gegen das EAD Statement zu Fragen, die eigentlich niemanden einen Scheißdreck was angehn

(Christoph Schmieding)

Wenn Ihr als „bibeltreue“ Christen da so Mühe habt, euch aus euren alten Interpretations-Traditionen wenigstens mal etwas zu lösen und neben euer Bibelexegese menschlich scheinbar zu limitiert seid, um bei solcherlei Fragen auch einmal Herz und Hirn einzuschalten, dann hättet Ihr wenigstens das Mindestmaß an Anstand aufbringen können das Thema, Merkels Beispiel folgend, als Gewissensfrage zu behandeln.

Die Krux mit den progressiven Gedanken: Warum progressive Gemeinden oftmals stagnieren

(Christoph Schmieding)

Die Auseinandersetzung mit evangelikalen oder pietistischen Glaubenssätzen und Weltbilder ist gut und wichtig. Hier Kritik zu äußern und Gegenentwürfe zu liefern, das ist letztlich auch Aufgabe der progressiven Theologie. Wichtig hierbei ist allerdings, nicht bei Kritik und der Dekonstruktion alter Glaubenssätze stehen zu bleiben, sich immer nur am Anderen, am Alten abzuarbeiten, sondern wirklich auch zu neuen Überzeugungen zu finden, die man dann auch wirklich feiert, für die man einsteht, für die man wirbt.