Wäre es überhaupt gut, wenn Gott existiert? Die existenzialistische Herausforderung

Man kann die Frage, ob Gott existiert, aus zwei Richtungen stellen: von ihren Begründungen oder von ihren Folgen her. 

Die erste Perspektive ist die der Gottesbeweise und -widerlegungen: Was spricht für Gottes Existenz und was dagegen? Gibt es ihn wirklich und warum?  In diese Diskussion gehören zum Beispiel die großen Gottesbeweise der Philosophiegeschichte (ontologisch, kosmologisch, teleologisch), sowie deren Widerlegungen. Außerdem natürlich die Theodizee-Frage (“Wie kann ein allmächtiger, allwissender, gütiger Gott das Leid zulassen?”) und alle Versuche, sie zu beantworten. Aber auch persönliche Erlebnisse und ihre Deutung: Erweckungen, Bekehrungen, Erzählungen von “Zeichen und Wundern” – und wiederum die Zweifel an all dem, Ernüchterungen und Enttäuschungen. 

Das ist alles andere als neu. Jede(r) hat diese Diskussion schon in irgendeiner Form geführt. Zwischen Theisten und Atheisten wiederholt sie sich nach vorhersehbaren Mustern. Manche halten die Debatte für entschieden, manche für unentschieden, manche für unentscheidbar, manche für unergiebig. Ich persönlich glaube zwar, dass wir nach wie vor viel von ihr lernen können. In diesem Text möchte ich sie aber nicht verfolgen und stattdessen auf die zweite Richtung der Frage nach Gott eingehen.

Ich werde nur versuchen, die Frage selbst richtig zu stellen – eine Antwort zu finden, überlasse ich (erst mal) den Leserinnen und Lesern. Man kann diese zweite Frage in etwa folgendermaßen formulieren: Wenn Gott existieren würde – wäre das überhaupt gut? Oder wäre es schlecht? Oder wäre es völlig egal?

Auf den ersten Blick ist das natürlich eine Steilvorlage für den Gläubigen: Wenn sein Gott existiert, dann gelten all die Sachen, die sein Gott ihm verspricht. Das wertet den gläubigen Menschen enorm auf. Die Botschaft lautet: Gott hat Dich geschaffen. Darum bist Du wertvoll und besitzt eine Würde – direkt vom Schöpfer. Mehr noch: Dein Leben hat einen Sinn, der Schöpfer hat einen Plan für Dein Leben. Eine echte Bestimmung.

Es ist ziemlich leicht zu sehen, warum Menschen hier andocken können. Selbst wenn die Ebene der Begründungen nicht abschließend geklärt sein sollte – von den Folgen her scheint die Existenz Gottes ein sicheres Geschäft zu sein. Selbst der zweifelnde Gläubige hat jetzt eine Entscheidungshilfe. Er kann nämlich die Begründungen, an denen er vielleicht noch zweifelt, einfach offen lassen. Und er lebt, als ob Gott existieren würde und profitiert jetzt schon von den positiven Folgen, die sein Glaube hat: Zuversicht, Selbstwert, Gemeinschaft und so weiter.

Aber ist die Sache wirklich so einfach?

Der atheistische Philosoph Jean-Paul Sartre hat sich in einem einschlägigen Text, der den etwas sperrigen Titel Der Existenzialismus ist ein Humanismus trägt, mit dieser zweiten Frage auseinandergesetzt. In Kurzform lautet sein Einwand: Wenn Gott unser Schöpfer ist, sind wir nicht viel mehr als ein Brieföffner. 

Warum das?

Ein Brieföffner existiert nur deswegen, weil er einen bestimmten Zweck hat. Es gibt eine Definition des Brieföffners – Sartre nennt solche Definitionen die “Essenz” einer Sache – und nur weil es diese Definition gibt, gibt es überhaupt das Ding selbst. Kurz: “Die Essenz geht der Existenz voraus.” Wenn Gott nun den Menschen geschaffen hat, dann steht die Definition des Menschen schon fest – denn Gott hat sich den Menschen ja ausgedacht. Dann aber gibt es keinen prinzipiellen Unterschied mehr zwischen Mensch und Brieföffner. Wir sind vielleicht ein sprechender, singender, tanzender, pizzabackender, Quantenphysik betreibender Brieföffner. Etwas wirklich Spektakuläres. Aber es wäre eben schon festgelegt, was wir sind, ohne dass wir selbst das geringste Wörtchen mitzureden haben. Wir könnten zwar versuchen mitzureden, aber wir wären sowieso im Unrecht. Bei der Frage, was wir sind oder sein wollen, bleiben wir selbst außen vor. 

Ein Menschenbild, an eine feste Definition dessen glaubt, was der Mensch eigentlich ist, an eine Essenz des Menschen, nennen wir in der Philosophie essenzialistisch. Sartre kommt dieses Menschenbild würdelos vor. Aber nicht nur würdelos, sondern auch schlicht falsch: Denn der Mensch ist doch genau dasjenige Wesen, das sich selbst entwerfen kann, das “etwas aus sich machen” kann, wie man so schön sagt. Er existiert zuerst und überlegt dann, wozu er existiert – “Die Existenz geht der Essenz voraus”. Allein die Tatsache, dass der Mensch sich überhaupt zu irgendwas entscheiden kann – ob es um eine Bekehrung geht oder nur darum, morgens das Bett zu verlassen -, zeigt doch, dass nicht feststeht, was der Mensch ist.

Um Sartre richtig zu verstehen, dürfen wir den freien Selbstentwurf des Menschen nicht mit der angeblich “freien Entscheidung” des Menschen in der christlichen Tradition verwechseln. Dass der Mensch sich “gegen Gott entscheiden” kann, heißt dort letztendlich nur, dass Brieföffner manchmal Fehlfunktionen haben. Denn der Mensch ist hier ja auf ein bestimmtes Ziel hin (z. B. “Gemeinschaft mit Gott”) geschaffen, das er nun leider im Einzelfall verfehlt. Das ist aber nicht, was Sartre meint. Es geht ihm nicht darum, ob der Mensch das Ziel, das ihm vorgesetzt ist, auch erreichen will, sondern darum, ob er überhaupt ein Mensch ist, wenn es ein solches Ziel gibt.

“Der Mensch ist nichts anderes als das, wozu er sich macht. Das ist das erste Prinzip des Existenzialismus. Das ist es auch, was man Subjektivität nennt und uns unter diesem Namen vorwirft. Aber was wollen wir damit anderes sagen, als dass der Mensch eine größere Würde hat als ein Stein oder ein Tisch?”

Nochmal zur Erinnerung: Dem Tisch fehlt die “Würde” nicht deswegen, weil er zu wenig kann, sondern deswegen, weil schon feststeht, was er ist und wozu er da ist. Wann er ein “richtiger” Tisch ist und wann nicht. Er ist reduzierbar auf seine Nützlichkeit, auf die Frage: Erfüllt er seinen Zweck oder nicht?  Dass es Tische gibt, ist sicher toll – aber eben nicht für die Tische selbst. Dieselbe Logik betrifft auch den Menschen, wenn er etwas “Geschaffenes” ist. Der beliebte Satz “Gott hat einen Plan für Dein Leben” verliert dann all seinen Charme und seine Energie. Dieser Plan kann noch so großartig sein – wenn jemand anders diesen Plan entworfen hat, ist Dein eigenes Leben nur noch ein Mittel zum Zweck. 

Wenn Sartres Argument zutrifft, dann aktiviert es im Selbst- und Weltbild des Gläubigen sozusagen den Selbstzerstörungsmodus. Denn alles das, was den Schöpfer so anziehend machen soll, geht dann plötzlich nach hinten los. Der Mensch, so Sartre, hat genau dann keine Würde und keinen besonderen Wert, wenn er einen Schöpfer hat.

Für diesen Gedanken ist es übrigens völlig egal, wer Gott ist, was Gott will und was wir im einzelnen über ihn wissen oder zu wissen meinen. Es ist nicht einmal wichtig, ob Gott allmächtig ist. Das Geschöpf ist bereits dadurch degradiert, dass es überhaupt einen Schöpfer hat. Das gilt selbst dann, wenn der Plan des Schöpfers wäre, das Geschöpf “frei” zu machen – denn dann wäre nicht einmal die Freiheit der eigene Selbstentwurf des Geschöpfs.

Dein Leben, so Sartre, hat genau dann keinen Sinn mehr, wenn es einen Zweck hat. Und zwar einfach deshalb, weil es genau durch diesen festen Zweck nicht mehr im eigentlichen Sinne Dein Leben ist. 

Es wäre vielmehr ein fertiges Programm, das Du entweder richtig oder falsch herum durchläufst. Nochmal: In Sartres Argument kommt es überhaupt nicht darauf an, wie “gut” es der Schöpfer meint und wie “frei” er den Menschen macht. Der Mensch verliert genau das, was ihn auszeichnet, allein dadurch, dass sein Schöpfer überhaupt existiert.

Der Existenzialismus kritisiert den Glauben also nicht “von außen” her, wie etwa ein Ludwig Feuerbach oder ein Richard Dawkins. Sondern “von innen” her. Er zeigt: Genau dann, wenn der Glaube Recht hat, verfehlt er sein Ziel.

Eine wirklich starke Herausforderung. 

Christen sollten sich ihr stellen.


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14 Gedanken zu “Wäre es überhaupt gut, wenn Gott existiert? Die existenzialistische Herausforderung

    1. „Würde“ hieße hier, dass ich selber bestimmen kann, was ich bin und wozu ich da bin.

      Das kommt ziemlich nah an Kants Begründung der Menschenwürde: Würde haben heißt, kein bloßes Mittel zum Zweck zu sein.
      Wenn ich dazu existiere, einen (göttlichen) Plan auszuführen bzw. ihm zu entsprechen, dann bin ich ein Mittel in diesem Plan.
      Das verstößt gegen meine Würde. So in etwa lautet Sartres Überlegung in Kurzform.

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      1. Und das verstehe ich halt nicht.
        Was hat das Eine mit dem Anderen zu tun? Ich kann ohne Gott doch genau so gut ist schlecht bestimmen, was ich bin, wie ich das mit Gott kann.

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  1. Das Problem lässt sich bestimmt nicht einfach lösen, aber es ist vielleicht ein Anfang, ein Paar Differenzierungen vorzunehmen. Die „Standartrede“ von „Gott hat einen Plan für dein Leben“ ist ja nicht unbedingt differenziert. Das lässt sich ja meistens auf die implizierte Forderung runterbrechen: „Du musst so leben, wie wir uns das vorstellen, denn das ist Gottes Plan.“ Deswegen ist die Kritik von Satre wahrscheinlich sehr wichtig.
    Laut dem, was Tolkien zum Beispiel im Silmarilion zum Ausdruck bringt ist das besondere am Menschen, dass er als Co-Schöpfer schöpferisch tätig sein soll. Seine würde besteht also auf eine Art darin, dass er selber entscheiden kann was er möchte und darin schöpferisch tätig ist (auch im Bezug auf das Ziel seines eigenen Lebens?!). Der Charakter des Bösen zeigt sich darin, dass es genau diese Freiheit des Menschen wegnehmen will. Vielleicht lässt sich mit diesem Gedanken zumindest ein Bisschen Harmonie zu Satre herstellen. Oder ist „Ich will, dass du für dich entscheidest“ auch schon zu sehr Zweck für Satre?
    Mit diesem Gedankengang Tolkins kann man jedenfalls ganz gut christliche Kultur kritisieren, weil man dann darüber nachdenken kann, ob diese Würde und Freiheit achtet oder sogar fördert. Spoiler: Sie tut es oft nicht…

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    1. Tolkien hatte ich jetzt echt als allerletzten Autor erwartet – hervorragend!!!!

      Ja, wie bereits angedeutet, wäre die Freiheit, die Gott für mich vorsieht, tatsächlich schon wieder ein von außen vorgesehener Zweck. Und dann wäre immer noch die Frage, wozu es in diesem Bild den Schöpfer braucht.

      Aber ich sehe es auch wie Du: Am Ende gibt es keine perfekte Lösung, trotzdem kann man versuchen, das Ganze etwas zu harmonisieren.

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  2. Ein Gedanke, der im christlichen Raum ja auch sehr beliebt ist, ist der der Kindschaft. Denkt man diesen konsequent, könnte man ja auch sagen, der Mensch ist nur bedingt nützliches Objekt, seine Schöpfung nicht unbedingt auf einen Zweck hin geplant, sondern eben passiert. Ein theologisches Denken das hierzu passen könnte wäre das der Prozesstheologie, die ja nicht nur unser Leben, sondern auch Gottes Handeln als prozesshaft versteht. Gott weiß eben nicht zu jedem Zeitpunkt warum er etwas tut, sondern es geschieht im Prozess, im Dialog. Vielleicht kann man eine Schöpfung des Menschen so auch wieder als einen einzigartigen Akt denken. Der eben nicht geplant wurde, sondern auch Gott war eben plötzlich „schwanger“ mit dem Menschen. Wenn man einen Schöpfungsakt jetzt auch einmal ein bissel weniger biblisch und stärker naturwissenschaftlich denkt, kann man auch sagen, das „Spiel der Reaktionen“ hat die Welt geschaffen wie sie heute existiert. Rein naturwissenschaftlich gesehen, hat das Spiel der Elemente das Potential auf Leben, es ist aber nicht berechenbar, es ist nicht generell angelegt, es braucht das Ereignis, das Unvorhergesehenen um aus dem Stillstand eine Bewegung zu schaffen, die den Zufall des Lebens ermöglicht. In einem prozesstheologischen Denken wäre auch Gott nicht Herrscher dieses Spiels, sondern lediglich Akteur. Er wirkt mit, bestimmt aber nicht. Das wäre vielleicht ein Bild, dass wieder Platz lässt für den Menschen als Ereignis, als Subjekt, dass sich seine ganze eigene Bedeutung in diesem Spiel schaffen kann.

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  3. Ist Sartres Ansatz wirklich so AT ist, sein Menschenbild ist doch sehr deifiziert.
    Diese ganze Transzendenz und Spiritualität mal raus genommen, Müssten wir ja zu einer biologistischen Sicht kommen.
    Sind wir dann mit dem Platz die Natur uns zuteilt Würdevoller als Mit dem Platz neben uns evtl ein Schöpfer zuteilt.
    Ich kann auf die Natur sakralisieren, Aber auch da bleibe ich eben nicht mehr wert als der Brieföffner.

    Die Vorstellung dass ein Willentliches Ja einen Platz einen Zweck eine Existenz zu gewiesen hat und nicht nur der Zufall der Evolution oder die reine Zweckmäßigkeit der Naturgesetze, kann doch auch als würde verstanden werden. Würde bekommt man nur von einem gegenüber, oder eben vielleicht auch von sich selber aber dann in Abgrenzung.

    In dem Sartre den Menschen und dessen Entscheidungsfreiheit und seinen Willen zur Gestaltung, Oder um es mit Victor Frankl zu sagen, seinen Willen zum Sinn, Sag realisiert und aus der Natur heraus hat, gibt er sein atheistischen Ansatz auf. Er löst sich eben nur von dem Gottesbild der BuchReligionen ab.
    Die Kabbala die Prozess TechnologiDie Kabbala die Prozesstheologie, Wer Mystizismus er so fieser Sufismus und Teile der christlichen Mystik würden im zustimmen wie es auf den Punkt dass sie Gott einrechnen. Dort sind wir eben ein Teil Gottes.

    Er schafft ja Gott nicht ab, sondern setzt den Menschen in seiner Möglichkeiten an dessen Stelle. Wie rechtfertigt er das wenn nicht irgendetwas praktisches diesen unterschied in die Spezies Mensch hineingelegt hätte?
    Oder eben der Mensch selber dieses tut, dann sich aber selber zu etwas göttlichen macht.
    Aber um was es mir geht, die Existenz eines Schöpfers gibt für mich in der Argumentation Satis eher die würde als eben eine nichtExistenz. Denn so ist diese Würde für mich begründbar

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    1. Ich habe leider einen großen Teil Deines Kommentars nicht ganz verstanden, kann darum auch nicht so viel dazu sagen.

      Vielleicht nur dies: Die Natur legt für Sartre ausdrücklich auch nicht fest, was der Mensch ist. Das wäre ja wieder ein essenzialistisches Menschenbild. Auch wenn die Natur den Menschen hervorbringt, kann sie ihn nicht definieren. Sie ist sozusagen stumm.

      Der Mensch entwirft sich selbst, weil er ein Bewusstsein hat. Für dieses Argument spielt es keine Rolle, wo das Bewusstsein herkommt.

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      1. Sorry die Natur hat den Menschen hervorgebracht zu einem bestimmten Zweck das istnNaturwissenschaftlich.
        Nichts im Universum existiert einfach so, ohne jetzt ein Plan dahinter zu vermuten, ist aber Existenz eines jeden Lebewesens und auch Himmelskörpers dem geschuldet dass es so sein muss wie es ist, damit das Weltall funktioniert.
        Die Natur hat Leben und so auch Menschen hervorgebracht, Weil dies in ihrer Matrix so angelegt ist.
        Die ganze moderne Biologie baut auf der Evolutionstheorie auf, die eben besagt dass nichts unnützes Bestand hat. Damit gibt die Natur dem Lebewesen einen Zweck.
        Als Teil der Nahrungskette, als Regulation, als Wirt und so weiter und sofort

        Nur weil Sartre das abstreitet heißt es ja nicht das die Naturwissenschaft unrecht hat.

        Woher kommt diese Fähigkeit des Menschen sich angeblich selbst zu gestalten? Genau es liegt in seiner Natur. warum hat aber die Natur dieses entwickelt, natürlich nicht willentlich planmäßig um einen Zweck zu verfolgen – ich möchte keinen teleologischen Geist in die Naturwissenschaft bringen. Im Endergebnis ist doch damit auch der Mensch das Ergebnis eines Prozesses, den er eben NICHT nicht selber steuern kann. Und dem man sich auch nicht widersetzen kann. Da war Sartres Kritik Wohl eher Kind eines Wunsches.

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      2. Die Naturwissenschaft, namentlich die Evolutionstheorie, sagt gerade nicht, dass der Mensch „zu einem bestimmten Zweck hervorgebracht“ wurde. Die Evolutionstheorie beschreibt nur, was tatsächlich passiert, nicht, was passieren soll. Zwecke sind aber Absichten, also etwas, das passieren soll. Der Evolution ist es egal, ob das Weltall funktioniert. Sie erklärt, warum manche Dinge Bestand haben und manche nicht. Es ist ihr aber egal, OB die Dinge Bestand haben, darum kann sie auch nichts „nützlich“ finden.

        Die Aussage, die Natur habe den Menschen „zu einem bestimmten Zweck hervorgebracht“, ist eigentlich genau die Definition davon, „einen teleologischen Geist in die Naturwissenschaft zu bringen“.

        Wenn der Blick auf die Natur den Menschen nur lehrt, was der Fall ist, kann die Natur den Menschen auch nicht lehren, was der Fall sein soll – insbesondere, was er mit seinem Leben anstellen soll.

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  4. Zusätzlich ist anzumerken, das wurde auch schon durch andere Kommentatoren deutlich dass Sara eine sehr eigenwillige und keinesfalls allgemein gültige Definition von „Würde“ anwendet. Ich habe in einer Enzyklopädie und zwei Wörter Bücher nachgekuckt und kam dort zu anderen Definitionen.

    Natürlich kann man Sartres Definition als Prämisse nehmen, dann allerdings wäre sein kritischer Ansatz ein Zirkelschluss

    Und sorry dass ich mein ersten Kommentar nicht mehr bearbeiten also korrigieren kann

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    1. Sartre versteht Würde so, dass man selbst nicht der reine Zweck für etwas Anderes / jemand Anderen ist.

      Das ist nicht „eigenwillig“, sondern eigentlich die ganz klassische Definition aus der Aufklärung, namentlich von Immanuel Kant, auf die man bis heute die universellen Menschenrechte zurückführen kann.

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  5. Anders als vielleicht Theodizee, sehe ich Sartres Einwand nicht als besonders schwieriges Problem. Es ist überhaupt kein „internes“ Problem, das das Christentum lösen müsste (wie etwa Theodizee, Relation von natürlicher/rationaler Theologie und Offenbarung etc.). Sartre liegt schlicht und einfach falsch. Nicht nur, aber besonders aus christl. Sicht. Aus dieser hat der Mensch seine Würde, da er imago Dei ist, nicht weil er sich „selbst erfinden“ kann. Denn auch rein naturwissenschaftlich betrachtet hat der indiv. Mensch sich natürlich nicht selbst hervorgebracht und er hat auch ein „Wesen“. Auch nach fast beliebigen phil. Traditionen vor ca. 1800 ist das der Fall. (Die Tradition von Antike bis früher Neuzeit hat eher ein „Werde, der Du bist“-Modell des Menschen als ein „Erfinde dich selbst“-Modell.) Sartre setzt eine Illusion (freilich eine in der Post/Moderne verbreitete) als Herausforderung. Diese Position kann man schlicht ablehnen (als Hybris/Sünde, ultimativer Stolz, sich an die Stelle des Schöpfers zu setzen usw.) bzw. auf viele Arten widerlegen (zB mit Überlegungen bei antiken oder späteren christlichen Philosophen zur Natur des Menschen). Sartre benennt keinen offensichtlichen internen Konflikt christl. Doktrin.

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    1. Ich muss sagen, dass mich diese Würde-Begriffe nicht mehr so sehr überzeugen. Vielleicht ändert sich das ja, wenn ich da mal eine entsprechende Herleitung und Begründung höre.

      Ich finde den Würde-Begriff aus der Autonomie, der seit Kant in der Ethik verwendet wird, ziemlich einleuchtend und er scheint mir auch eine ziemlich alltags- und lebensnahe Verwendung des Begriffs „Würde“ zu sein.

      Die Bemerkung, Sartres Würde-Begriff sei einfach eine „Illusion“ oder eine „Sünde“, verbuche ich dagegen eher unter „Er liegt falsch, weil er falsch liegt“.

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